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20.10.2021

Smarte Verträge im Handumdrehen: So schafft es die Blockchain ins IoT

In Zeiten der zunehmenden Digitalisierung spielen vernetzte Welten eine immer größere Rolle. Geräte und Maschinen sind smart miteinander verbunden und können über das Internet miteinander kommunizieren, dem Internet der Dinge (IoT).  Die Blockchain-Technologie ist dabei ein zentraler Baustein mit einer starken Wirkung. Dank dieser Entwicklung profitieren immer mehr von Branchen von den Synergien, die sich aus ihrem Zusammenspiel ergeben. Berlin ist dabei Ausgangspunkt für maßgebliche Innovationen.

Bei der Verarbeitung von Daten aus dem IoT bildet Blockchain ein fundamentales Element für die digitale Transformation. Laut Arne Flick, dem COO und Co-Founder der IoT ONE Exchange mit Sitz in Berlin und Shanghai, handelt es sich bei IoT und Blockchain um komplementäre Schlüsseltechnologien, die sich in bestmöglicher Weise ergänzen. Die unvorstellbaren Datenmengen, die aus dem IoT hervorgehen beschreibt Flick als „Treibstoff des neuen Jahrtausends“, da sie das Potenzial besitzen, „Geschäftsmodelle auf den Kopf zu stellen, neu zu denken und überhaupt damit Geld zu verdienen.“

Beim IoT handelt es sich schlichtweg um sämtliche Geräte, die mit dem Internet verbunden und in der Lage sind, Daten zu senden und zu empfangen – vom Smartphone bis zum Industrieroboter. Je mehr Daten das IoT generiert, desto schwieriger wird es, die Sicherheit dieser Daten sowie effiziente Abläufe bei ihrer Verarbeitung zu gewährleisten. Hier erweist sich Blockchain als das fehlende Puzzleteil, das nötig ist, um mit Hilfe von IoT-Daten bahnbrechende technologische Fortschritte zu erzielen.

Technisierung des Vertrauens

Blockchain, genauer gesagt die damit verbundenen Distributed Ledger Technology (DLT), bietet die Möglichkeit, ohne menschliche Mitwirkung Vertrauen und Transparenz für jegliche Art von digitalem Datenaustausch zu gewährleisten. Arne Flick spricht in diesem Zusammenhang von einem M2M-Zeitalter (Machine-to-Machine), in dem Maschinen zum Beispiel Geschäftsprozesse autonom untereinander anhand bestimmter Regeln ausführen. Auch in Sachen Sicherheit spielt die Blockchain im IoT-Kontext eine essenzielle Rolle: Während man sich zum Beispiel vor einigen Jahren noch mit VPNs begnügen musste, ist es inzwischen per Blockchain möglich, nicht nur Datenleitungen zu verschlüsseln, sondern auch die Daten selbst – und das vollautomatisch. Daraus ergibt sich für das IoT eine Sicherheitsinfrastruktur, die ohne Blockchain nicht denkbar wäre – und die zwingend erforderlich ist, um für technologische Innovationen das nötige Maß an Datenschutz sicherzustellen.

Eine weitere Anwendungsmöglichkeit sind die der Smart Contracts. Der digitale Vertrag basiert hier auf einer Blockchain und die festgelegten Vereinbarungen werden direkt in Codezeilen geschrieben. Die Smart Contracts treten dann nach digitaler Unterzeichnung selbstständig in Kraft und können im Internet der Dinge verschlüsselt automatisch bestimmte vorher festgelegte Befehle versenden. Der Vorteil: Gegenüber klassischen Verträgen in Papierform wird eine höhere Vertragssicherheit gewährleistet, Dokumentationslücken werden vermieden und gleichzeitig können Prozesse schneller abgewickelt werden.

Da IoT-Geräte und -Maschinen eine Vielzahl sensibler Daten generieren, spielen die Themen Datenschutz und Privatsphäre bei der Verarbeitung dieser Daten eine zentrale Rolle. Im Kern besteht die Synergie also darin, dass das IoT Daten liefert, deren Weiterverarbeitung per Blockchain auf eine sichere, transparente und vertrauenswürdige Art möglich ist. Bislang wandern Daten meist direkt von der Maschine in eine Datenbank. Das birgt zahlreiche Risiken für Datenlecks. Die DLT bietet durch die Verschlüsselung der Daten entscheidenden Mehrwert, durch den technologische Durchbrüche in der Praxis möglich werden.

„Die Verbindung von Daten aus dem IoT und Sicherung der einzelnen Daten, zum Beispiel über kostenlose Blockchains der dritten Generation, ist als Kern der Wertschöpfung dieser Fusion anzusehen.“ – Arne Flick

Blockchains der dritten Generation werden vor allem darauf abzielen, Kryptowährung in den Mainstream zu bringen und konzentriert sich auf die Lösung der Probleme Energieverbrauch, Skalierbarkeit, Interoperabilität und Benutzerfreundlichkeit.

Netzwerk für die Berliner IoT-Szene

Auch die vernetzte Welt möchte vernetzt werden – das tut seit einiger Zeit in Berlin das IoT+Network. Als Teil der Digital Hub Initiative de:hub des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie ist es DER Kompetenzstandort für das Thema IoT. Zur Arbeit des Netzwerks gehört nicht nur Unternehmen, Startups und Investor:innen zusammenzubringen, sondern auch die Förderung und Bündelung der Diskussion zum Thema IoT. Bei regelmäßigen Veranstaltungen werden gemeinsam mit Expert:innen Fragen zur notwendigen Infrastruktur, Datensicherheit und eben auch der Verzahnung mit anderen Technologie-Bereichen, wie Blockchain, diskutiert.

Katarzyna Grajner ist seitens Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie mit für das IoT+Network verantwortlich:

„Heute vor einem Jahr hat das IoT+ Network seine operative Arbeit aufgenommen. Aus sieben Gründungsmitgliedern sind heute 25 aktive Partner im Netzwerk geworden, die gemeinsam das Thema IoT für und aus Berlin heraus neu denken. Es ist ein toller Erfolg für den Standort, so ein starkes IoT-Business-Netzwerk zu haben. Das Interesse am Thema und an den Einsatzmöglichkeiten von IoT, gerade in Verbindung mit Machine Learning und Blockchain, wächst und führt zurinnovativen Lösungen und Geschäftsmodellen. Zusammen mit dem IoT+ Network können die Innovationen aufgegriffen und in Projekte umgesetzt werden.“

Produktion zurück nach Deutschland

Berlin hat sich einen Ruf als Hub für industriell genutzte Blockchain- und IoT-Anwendungen erarbeitet, wie unter anderem die Etablierung des de:hubs zum Thema IoT zeigt. Dies wird auch den weltweit bedeutenden Playern aus der Hauptstadt deutlich, wie beispielsweise  IOTA. Lösungen, die auf IOTA aufsetzen sind beispielsweise zerodefects oder KUPKrush, in denen eine Kombination aus DLT und Digital Twins zum Einsatz kommt.

Die IOTA-Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, die künftige digitale Wirtschaft und Welt im IoT mitzugestalten. Mit dem eigenen Kommunikationsprotokoll IOTA, das auf der Distributed-Ledger-Technologie basiert, soll ein sicherer Daten- und Werteaustausch im Umfeld des IoT geschaffen werden. Das Besondere: IOTA verzichtet auf Transaktionsgebühren und soll sich damit vor allem als Protokoll für Mikrozahlungen etablieren. Das Resultat wäre dann der automatisierte Informationsaustausch zwischen Endgeräten im Internet der Dinge.

Bosch hat mit seinem IoT-Campus zudem einen der größten IoT-Forschungsfelder in Berlin geschaffen. Über 300 Mitarbeiter*innen arbeiten auf dem Campus in Berlin-Tempelhof an Projekten rund um das Internet der Dinge und digitaler Transformation und berät und begleitet seine Kund:innen. Der IoT-Campus bildet darüber hinaus einen physischen Ort ab, an dem gesamte IoT-Ökosystem zusammenkommt.

„Besonders spannend für Berlin wird die Fabrik der Zukunft sein, also Smart Factories, die ohne IoT und DLT nicht mehr auskommen werden und letztlich ein breit angelegtes Inshoring ermöglichen – die Produktion wird hauptsächlich von autonom interagierenden Bots erledigt und muss nicht mehr in Billigarbeitnehmerländern in Fernost ausgeführt werden,“ erzählt Arne Flick außerdem.

Smart Factories im Bereich der Industrie 4.0 werden zunehmend eine wichtigere Rolle spielen. Gerade durch die Produktionsumgebung ohne menschliche Eingriffe können Prozesse deutlich schneller vollendet werden. Damit werden Unternehmen nicht nur rentabler und effizineter, auch individuellere Kundenwünsche können berücksichtigt werden. Produkte und Fertigungsanlagen können im IoT kommunizieren und gesteuert werden. Zum Einsatz kommen diese Technologien bereits zum Teil in der Automobilindustrie.

Auf weitere spannende Vernetzungsmöglichkeiten mit Blockchain im Internet der Dinge darf man gespannt bleiben.

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