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10/22

Fashion im Metaverse

Warum Blockchain, NFTs und eine digitale Garderobe bald nicht mehr aus der Modebranche wegzudenken sind.

Models laufen auf einem Laufsteg

Die Highlights der Modewelt – sie reihen sich in den Fashion-Weeks von New York, Paris, Mailand oder Tokio fast nahtlos aneinander. In diesem Frühjahr allerdings schloss sich ein weiterer Schauplatz an: die erste Metaverse Fashion Week auf der Plattform Decentraland. Die virtuelle Modewoche fand vom 24. bis 27. März statt. Teilnehmen konnte, wer sich mit digitalem Avatar auf der Veranstaltungsplattform Decentraland einloggte. Bei Dolce & Gabbana schritten Models mit Katzenköpfen über die Laufstege, was Aufmerksamkeit erregte und sich von den üblichen Fashion-Inszenierungen abhob. Marken wie Mango kooperierten mit Krypto-Künstler:innen und ließen für die Metaverse-Premiere drei digitale Kunstwerke erstellen. Estée Lauder oder Dolce & Gabbana boten in Cyber-Stores ihre Entwürfe in Form von digitalen Wearables, aber auch für den physischen Gebrauch an. An einem einzigen Tag meldeten die Organisatoren den Ansturm von 48.000 Einzelbesucher:innen. Und es wurde nicht nur geschaut, sondern auch gekauft: 7.065 Wearables wechselten hier die Besitzer:innen. Marken wie Tommy Hilfiger meldeten während der Metaverse-Fashionshow den Ausverkauf ihrer NFTs. 

Was wie ein digitales Paralleluniversum wirkt, hat für die Fashionszene ganz neue Absatzwege und kreative Möglichkeiten eröffnet. Bei der Berlin Fashion Week Anfang September zeigten Labels neben Veranstaltungen, Runway-Shows und Besuchen in Designateliers virtuelle Kleidung mittels Augmented-Reality (AR). Dies zeigt, wie weit die Berliner Tech-Szene bereits in die Modewelt hineinreicht. 

Unbegrenzte Möglichkeiten für Kreativität 

„Web 3.0-Konzepte und -Anwendungen bieten für Modemarken und unabhängige Kreative ganz neue Möglichkeiten, ihre Konzepte und Marken in einer virtuellen Welt zu inszenieren und so neue Erlebnisse und Kundenbeziehungen zu schaffen. Anders als auf beispielsweise einer eCommerce-Plattform, wo ein Produkt neben tausenden anderen im Wettbewerb steht und allein über Produktdaten und Produktvisualisierung heraussticht,“ so Marte Hentschel von der Berliner Sourcing-Plattform Sqetch

Sqetch ist nicht nur Dienstleister für Labels auf der Suche nach guten Materialhändler:innen, sondern setzt sich auf EU-Ebene auch für lokal produzierte zirkuläre Textilien und Kleidungsstücke ein. Die eigene Plattform fördert das Matchmaking zwischen Labels und Produzent:innen und bietet ein Tool zur Steuerung von Fertigungen. Mit der dazugehörigen Agentur unterstützt man außerdem Berliner Designer:innen auf ihrem Weg zur digitalen Transformation im Rahmen des „Digital Fashion Future Readiness-Programm“. 

Hentschel sagt: „Viele gute Designs kommen gar nicht auf den Markt, weil Kreative und Marken mit den Einschränkungen der physischen Welt konfrontiert sind, wie Lieferengpässe und fehlende Materialverfügbarkeiten. In der virtuellen Welt ist das anders. Hier können sie uneingeschränkt ihre Kreativität ausleben und Kund:innen erleben ganz neue Designs und ganz neue Markenwelten.“ 

Auch Leo Hilse, Gründer des Berliner Unternehmens STYLE PROTOCOL, sieht die Vorteile: 

„Design wird in virtuellen Welten neu definiert. Wer ins Metaverse die Designs aus der klassischen Mode kopiert und überführt, wird verlieren. Kreativität wird von Designer:innen und User:innen im Metaverse neu entdeckt – 3D-Welten bieten nie zuvor gesehene Möglichkeiten der künstlerischen Entfaltung.“ 

Individualität in der digital-dezentralen Welt 

In der virtuellen Welt lassen sich stilistische Grenzen neu ausloten. So kann die Farbe von Kleidungsstücken changieren oder geht an manchen Avataren einfach kurz in Flammen auf. Und dort, wo alles digital kopierbar scheint, markieren NFTs als Echtheitszertifikate die digitalen Einzelstücke. Besonders beliebt sind sie in einer jungen Zielgruppe. Wer seine Avatare so einkleidet, kann sicher gehen, ein Unikat durch das Metaverse zu tragen.  

Dezentrale Infrastruktur für NFTs 

Für den Erwerb der Designstücke, ob digital oder physisch, wird im Metaverse allerdings ein eigenes Wallet benötigt, um mit Kryptowährungen Zahlungen vornehmen zu können - und die Labels die entsprechende Infrastruktur dafür. STYLE PROTOCOL bietet hier eine dezentrale Infrastruktur, die NFTs in jedem Game oder einem der verschiedenen Metaverses nutzbar und lizenzierbar machen. 

Ebenfalls in Berlin aus entwickelt LUKSO eine dezentrale Blockchain-Infrastruktur, mit der die Digitalisierung der Fashionwelt vorangebracht werden soll.  Konkret tun sie dies mit THE DEMATERIALISED, einem Marktplatz für digitale NFT-Mode. Über diese Anwendung freut sich Alexandra Ilg, Produktmanagerin bei THE DEMATERIALISED:

„Digital Fashion erlaubt uns einen neuen Bezug zu Kleidung, sowohl bei der Kreation als auch bei der Verwendung. Darüber hinaus bilden NFTs und das Metaverse im Fashionbereich eine komplett neue Linse, durch die Marken und auch ihre Kund:innen auf Produkte schauen können. Zum Beispiel können um diese digitalen Assets und Erlebnisse sehr engagierte Communities entstehen, und das ist insbesondere für eine Marke und auch neue digitale Fashion-Brands sehr spannend, um ihre Brand auf- oder auszubauen.”  

Für Leo Hilse von STYLE PROTCOL stellen NFTs eigentlich nur die technische Grundlage dar, um ein begehrtes digitales Unikat zu erwerben. Für ihn kommt es bei einer Umsetzung im Fashion-Bereich darauf an, was ein Label erreichen möchte, wenn es einen Auftritt im Metaverse beabsichtigt. Hier gibt es eine Herausforderung: Da es nicht das eine Metaverse oder das eine Blockchain-Ökosystem gibt, sollten Labels für eine reibungslose Umsetzung daher die richtigen Partner:innen für die Distribution der virtuellen Güter finden. „Das Metaverse, virtuelle Welten und Games bieten für Brands eine einmalige Möglichkeit, sich für eine junge Zielgruppe neu zu erfinden. Wer das nicht nutzt, wird es in Zukunft bereuen“, ist sich Hilse sicher. „Neue Designer:innen und Virtual-Only-Brands wie RTFKT erschließen den Markt bereits und können auch großen Labels einen Schritt voraus sein, wenn diese zu lange warten.“ 

Zusammen mit dem Mode-Tech Start-up Yoona.ai arbeitet Style Protocol außerdem an der Fashion- und Lifestyle-Plattform „The Berlin Metaverse”. Die Plattform versteht sich als Katalysator für Fashion und Zirkularität und plant neben digitalen Konferenzen auch Fashion Shows, Showrooms und weitere spannende Formate – alles digital und online im Berlin Metaverse. Der Launch ist für Januar 2023 geplant.  

Für Yoona-Gründerin Anna Franziska Michel sind NFTs und das Metaverse die ideale Kombination für diese neue Plattform: „Metaverse und NFTs sind für mich die Perfektionierung von Digitalisierung in unserer Industrie und endlich existiert die holistische digitale Wertschöpfungskette bis zu neuen revenue streams.“ Neben der Kollaboration mit STYLE PROTOCOL bietet Yoona eine Technologie an, die mittels Künstlicher Intelligenz Designprozesse vereinfacht und effizienter macht. 

Marte Hentschel von Sqetch hebt einen weiteren Aspekt für mehr Fashion im Metaverse hervor:

„Design wird demokratisiert. Anders als in der physischen Welt, wo Marken in der Nähe von Modemetropolen beheimatet sind, um dort Infrastrukturen vorzufinden, die für ihren Betrieb notwendig sind, ist in der virtuellen Welt die Nähe zu den Infrastrukturen aufgehoben. Das heißt, egal wo die Kreativen sitzen, mit Zugang zu niedrigschwelliger Energie können sie Teil von Blockchain und Ökosystemen sein.“ 

All diese spannenden Entwicklungen und Neuheiten spiegeln die Disruption der Fashionbranche wider. Auch wenn die Inszenierung der Shows und digitalen Stores im Metaverse noch ästhetisch anspruchsvoller und reibungsloser laufen kann, werden Blockchain-Fashion-Events Schritt für Schritt einen neuen und aufregenden Markt bieten. Einen Einblick in den möglichen Wachstum und die monetären Möglichkeiten, die sich durch virtuelle Güter für die Fashionbranche eröffnen können, gewährt die Gaming-Industrie:  Diese macht mit virtuellen Gütern bereits einen Umsatz von bis zu 100 Milliarden US-Dollar jährlich. Das Web 3.0 stellt die Möglichkeit dar, noch weitere dieser Potentiale zu erschießen. 

Weitere Infos zur Entwicklung der Modewelt in Berlin zwischen Nachhaltigkeit und Digitalisierung findet sich auch in diesem Artikel.

 

Quellen 

Decentraland: https://decentraland.org/ 

LUKSO: https://lukso.network/ 

NFTs in der Kreativwirtschaft: https://blockchain.digital-bb.de/nfts-in-der-kreativwirtschaft-das-passiert-in-berlin 

RTFKT: https://rtfkt.com/ 

Sqetch: https://www.sqetch.co/ 

Style Protocol: https://www.protocol.style/ 

Take it to the next level – Mode in Berlin: https://gruenderfreunde.de/take-it-to-the-next-level-mode-in-berlin/ 

THE DEMATERIALISED : https://thedematerialised.com/ 

Vergleich mit Umsatz in Gaming-Industrie: https://www.harpersbazaar.de/fashion/mode-trends-metaverse-2022  

Virtuelle Modewoche: https://www.textilwirtschaft.de/business/news/metaverse-kommt-in-mode-metaverse-235241 

Yoona.ai: https://www.yoona.ai/ 

Yoonaverse / The Berlin Metaverse: https://www.yoonaverse.berlin/ 

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